Geschichte

Unternehmensgeschichte Vartan Melik Aslanian GmbH

Die Firmengeschichte unseres traditionsreichen Im- und Exporthauses beginnt im Jahr 1883 mit einem Armenier in Täbris (Hauptstadt von Ost-Aserbaidschan im Iran). Wir treffen auf einen jungen Kaufmann mit großem Interesse an Handelsgeschäften – Avetis Melik Aslanian.
Der Familie Melik Aslanian gehören damals ein kleines Hotel sowie diverse Ländereien mit Pfirsich- und Aprikosenplantagen in der Umgebung. Der geschäftstüchtige Avetis Melik Aslanian entdeckt schnell das Potential der wertvollen Rohstoff-Ressourcen und gründet im Jahr 1883 als Einzelkaufmann das Familienunternehmen.

Das Geschäft beginnt, indem die Pfirsiche und Aprikosen per Hand gepflückt, gewaschen und geputzt und anschließend auf großen Leinentüchern sonnengetrocknet werden – damit ist der erste Meilenstein für die Produktion von Trockenfrüchten gelegt. Schon damals werden die Früchte anschließend in kostspieligen Schwefelkammern geschwefelt und in mit chinesischem Pergamentpapier ausgelegten Holzkisten zu je 10 bzw. 12 1⁄2 kg-Einheiten verpackt. Die Mitarbeiter tragen die schweren Holzkisten zu dem mit einem Gleisanschluss versehenen Fabrikgebäude der Familie und müssen sie mit reiner Manneskraft in die Güterwaggons verladen.

Bei den ersten Geschäftstätigkeiten der Familie Melik Aslanian handelt es sich weitestgehend um Kompensationsgeschäfte, d.h. die nach Moskau gelieferten Waren werden im Zuge eines Gegengeschäfts mit Lieferungen von Zucker beglichen. Der Zucker aus Russland wird anschließend gewinnbringend an die persische Bevölkerung weiter verkauft.

Schon bald werden die Söhne Arschak, Vartan und Stephan Melik Aslanian geboren und treten rasch in das Handelsunternehmen ihres Vaters ein. Es wird ein neues, größeres Kaufmannshaus gebaut und die Tätigkeiten und Liefergebiete werden erweitert. Die folgenden Jahre zeigen die eindrucksvolle Erfolgsgeschichte einer armenisch-deutschen Unternehmerfamilie und zahlreichen Mitarbeitern.

Nach dem Tod des Unternehmensgründers Avetis Melik Aslanian im Alter von knapp 90 Jahren schickt der älteste der drei Brüder, Arschak Melik Aslanian seinen jüngeren Bruder Vartan Melik Aslanian im Jahre 1933 zur Erweiterung der geschäftlichen Tätigkeiten ins Ausland – nach Hamburg. Über die Landesgrenzen hinaus wird das Geschäft fortan aus Persien und Deutschland geführt; in Hamburg wird ein weiterer Betriebsstandort im Stadtteil Wandsbek eröffnet.

Arschak Melik Aslanian– mittlerweile dreifacher Familienvater von Eduard, Alice und Harryet – baut den Handel mit Trockenfrüchten im Orient aus. Vartan Melik Aslanian etabliert derweil die Produktion, Veredlung und den Vertrieb der Köstlichkeiten in Deutschland und wird als Einzelkaufmann in das Handelsregister eingetragen.
Das Geschäft floriert, der Umsatz steigt und das Handelsunternehmen kann sich durch fortwährend gleichbleibende Qualität und der stetigen Erweiterung des Sortiments gut in der kaufmännischen Lebensmittelbranche aufstellen. Fortan werden nicht nur Aprikosen und Pfirsiche der eigenen Ländereien aus Persien gehandelt, sondern auch Pflaumen, Birnen und Ringäpfel.

Der federführende Leiter des Geschäftsbereichs Deutschland, Arschak Melik Aslanian, lässt seinen in Persien geborenen Sohn Eduard Melik Aslanian und seinen Neffen Emanuel Melik Aslanian in Berlin studieren, um einen anschließenden Einstieg in das Familienunternehmen zu erleichtern.
Der im Jahr 1915 geborene Eduard Melik Aslanian studiert Maschinenbau an der TU Berlin; sein ebenfalls im Jahr 1915 geborener Cousin Emanuel Melik Aslanian beginnt wegen seines bemerkenswerten musikalischen Talents 1927 sein Studium der Musik an der Brahms Akademie in Hamburg und setzt diese Studien 1935 bis 1937 am Hamburger Konservatorium fort. So lernen beide Sprösslinge rasch die deutsche Sprache und schließen ihre Studien als Dipl.-Ing. und Pianist im Jahre 1943 ab.

Nach dem Tod des zweiten Sohnes des Firmengründers, Arschak Melik Aslanian, wird die Firma in Persien aufgelöst und geschlossen. Die Familie Melik Aslanian hatte entschieden, die Aktivitäten des Produktions- und Import-Export Hauses Melik Aslanian in Zukunft auf den europäischen Markt zu konzentrieren. Das Unternehmen mit Sitz in Wandsbek wächst gesund und beständig und wartet nun auf den Firmeneintritt der Junioren Emanuel und Eduard.

In den Zeiten des zweiten Weltkrieges wird das Unternehmen durch das Regime gezwungen, ausschließlich für die deutsche Wehrmacht zu produzieren; so beliefert die Firma über viele Monate hinweg nur einen – dafür aber sehr absatzstarken – Abnehmer.

Die beiden Junioren sollten nun in die Fußstapfen der langen Handelstradition der Familie treten. Das Familienoberhaupt Vartan Melik Aslanian zitiert dazu seine beiden Neffen in den Betrieb nach Hamburg- Wandsbek und schenkt ihnen als Anreiz für die auf sie zukommende harte Arbeit und als Anerkennung für den erfolgreichen Abschluss der Studien je einen strahlend roten Horch – damals das traditionelle Familienfahrzeug der Familie Melik Aslanian. Doch die Freude währt nicht lange; noch in derselben Nacht – vom 24. auf den 25. Juli 1943 – wird ganz Hamburg ausgebombt. Das gesamte Firmengelände und alle in den Garagen befindlichen Firmenwagen fallen den Bomben zum Opfer.

Nach 60 Jahren Firmen- und Erfolgsgeschichte muss die Traditionsfirma Melik Aslanian noch einmal ganz von vorne beginnen. Zunächst zwingt der zweite Weltkrieg die Firma mit den Goldvorräten nach Kirchenlamitz zu flüchten. Dort nimmt ein Bauer die Familie Melik Aslanian schützend auf, die sich gleich der Juden vor dem Naziregime verstecken muss. Die geschäftstüchtigen Unternehmer lassen sich jedoch auch durch die schwierigen Kriegszeiten nicht entmutigen und beginnen mit einer lukrativen Schnapsbrennerei und gewinnbringendem Export – vor allem nach Russland.

Für kurze Zeit steht der Handel mit Trockenfrüchten gezwungenermaßen still; unverzüglich nach Kriegsende im Jahre 1945 kehrt die Familie Melik Aslanian jedoch wieder in die Hansestadt zurück und beginnt mit dem Wiederaufbau des Unternehmens. Im Frühjahr 1946 zieht das Unternehmen in ein neues Firmengebäude am Heidenkampsweg, das bis in Jahr 2008 im Firmenbesitz bleibt. Die „Sachsenburg“ ist zu diesem Zeitpunkt erst mit dem Bau des zweiten Stockes fertig – so bezieht das Unternehmen erst einmal die fertig gestellten Räumlichkeiten.

Mit vereinten Kräften wird das Unternehmen wieder aufgebaut; die Familie hält zusammen. Aus einem Büro- und einem Lagerraum mit 4 Mitarbeitern etablieren Vartan und die beiden Neffen Emanuel und Eduard Melik Aslanian innerhalb eines Vierteljahres einen großen Trockenfruchthandel mit über 50 Mitarbeitern.

Eduard Melik Aslanian arbeitet sich rasch in den Familienbetrieb ein und kann vor allem durch sein technisches Wissen maßgeblich zur Verbesserung der Arbeitsabläufe beitragen. Obwohl er mit attraktiven Jobangeboten überhäuft wird, entscheidet sich der Familienmensch Eduard, das Unternehmen weiterhin zu unterstützen.

Sein Bruder Emanuel hingegen wird eines Tages im Vorbeigehen seines Onkels dabei beobachtet, wie er an seinem Schreibtisch Klavierstücke einstudiert. In diesem Moment wird dem Familien- und Firmenoberhaupt klar, dass er seinen Neffen nicht in dem Unternehmen halten kann und entlässt ihn wieder in die Welt der Musik. 1952 kehrt Emanuel in den Iran zurück, wird Leiter des Konservatoriums in Teheran und Haus-und Hofpianist des Schah Mohammad Reza Pahlavi.

Doch auch ohne die Unterstützung seines Cousins kann Eduard Melik Aslanian gemeinsam mit seinem Onkel Vartan Melik Aslanian die Geschäftstätigkeiten des Familienunternehmens weiter vorantreiben. Eduard Melik Aslanian wird im Jahr 1952 zweifacher Familienvater mit den Zwillingen Arschak und Anahid.

Die Firma kauft neue Anlagen, Siebe, Schwefelanlagen und stockt das Sortiment auf Mischobst und weitere Monoprodukte auf. Es wird per Hand verwogen, in Beutel gepackt und verschlossen – die manuelle Arbeit erfordert eine Ausweitung des Mitarbeiterstammes auf knapp 400 Arbeiter, Kontierer, Buchhalter, Schreibkräfte und Lehrlinge; entsprechend vergrößern sich die Räumlichkeiten und Im- und Exportmengen – obwohl neben einigen LKWs die Ware teilweise noch mit Pferdekutschen in Hamburg abgeholt wird.

Im Jahr 1968 nimmt das Unternehmen erstmals an der bundesweiten Interpack-Messe teil und erwirbt den ersten industriellen Maschinenpark. Die Firmenleitung entscheidet sich für eine Umstellung von manuellem auf automatisierten Betrieb; neben Wägeautomaten werden Verpackungsautomaten gekauft und der gesamte Produktionsbetrieb wird modernisiert; damit einhergehend kann das Personal auf knapp 80 Mitarbeiter reduziert werden.

Noch vor der Inbetriebnahme des modernisierten Produktionsablaufes, am 24.01.1969 verstirbt das Firmenoberhaupt Vartan Melik Aslanian und Eduard Melik Aslanian wird alleiniger Verantwortlicher des großen Unternehmens. Für weitere vier Jahre stockt Eduard den maschinellen Betrieb gemeinsam mit zwei treuen Meistern und 50 Mitarbeitern auf. Im Jahre 1973 tritt nun sein 22-jähriger Sprössling Arschak Vartan Melik Aslanian in die Firma ein und beweist sein merkantiles Verhandlungsgeschick; er übernimmt nach knapp 3 Jahren die komplette Kundenbetreuung- und Akquise.

Es stellt sich sehr schnell heraus, dass Arschak Vartan Melik Aslanian ein geborener Kaufmann ist und sein Vater überlässt ihm schon nach kurzer Zeit die Zügel. Es werden neue Handelsmärkte erschlossen, die Geschäftstätigkeiten werden auf das europäische Ausland erweitert und es entstehen zahlreiche neue Produktlinien – und Verpackungseinheiten.

Im Jahre 1983 wird die Vartan Melik Aslanian GmbH gegründet. Noch bis zum Jahre 1986 beschäftigt sich das Unternehmen zu großen Teilen mit dem Warenimport aus der Berlinauslagerung (Trockenfrüchte aus diversen Ländern, wie z.B. Persien und Kalifornien). Zum damaligen Zeitpunkt wird im zweijährigen Rhythmus ausgelagerte Ware an Importeure aus ganz Deutschland versteigert, um diese weiter zu verkaufen.

In den kommenden Jahrzehnten investiert das Unternehmen stetig in neue Produktentwicklungen, einen mittlerweile vollautomatisierten Produktionsbetrieb, regelmäßige Waren- und Qualitätssicherung sowie – und dies ist das ausgesprochene Ziel des heutigen Familien- und Firmenoberhauptes – den Erhalt der Traditionen eines ehrbaren Hamburger Kaufmannsbetriebes. Dumpingpreise und zu Lasten der Warenqualität gehende Verhandlungsstrategien lehnt der geschäftsführende Gesellschafter kategorisch ab; diese Unternehmensstrategie führte stets zum Erfolg.

Vor mehr als 10 Jahren ist auch die sechste Generation in den Familienbetrieb mit eingestiegen. Sascha Vartan Melik Aslanian ist im Jahre 2005 als Nachfolger und Prokurist in das Unternehmen eingetreten; nach und nach übernahm er die Unternehmergeschicke seiner Vorfahren. Im Jahr 2014 fand somit in der Firma Aslanian erneut ein Generationswechel statt. Sascha Vartan Melik Aslanian ist seitdem Inhaber und Geschäftsführer der Firma und leitet diese traditionsbewusst mit hinblick auf die Modernisierung der Gesellschaft und verknüpft Tradition und Moderne in einem. Das kaufmännische Können, erlernt von seinem Vater, verbindet er nun mit seiner ruhigen, ehrlichen und offenen Art, um die Firma Aslaninan erfolgreich und ehrenhaft weiterzuführen. Die Rechtsanwältin Sofia Melik Aslanian ist ihrem jüngeren Bruder im Jahr 2009 gefolgt und ist als Syndikusanwältin für die rechtlichen Angelegenheiten des Unternehmens verantwortlich. Nadja Melik Aslanian, das Nesthäkchen der Familie, widmet sich derzeit noch ihrer veterinärmedizinischen Ausbildung.

In den letzten vier Jahrzehnten wächst der Absatz des Sortiments von getrockneten Früchten unter der eingetragenen Handelsmarke Ubina beständig, so dass die gemieteten Räumlichkeiten im Ballungszentrum Hamburg nicht mehr ausreichen. Die Familie Melik Aslanian beschließt, eine eigene Fabrik in der Peripherie zu bauen. Es entsteht ein Neubau in Siek bei Ahrensburg; die Firma feiert dort im Jahre 2008 das 125-jährige Firmenjubiläum.

Heute wird das Sortiment regelmäßig erweitert: Cranberries und Sultaninen – die neusten Verkaufsschlager des Traditionshauses. Die qualitätsgesicherten, stets frischen Waren stammen aus allen Teilen der Erde – vor allem aus Kalifornien, Südafrika, der Türkei, Italien, Frankreich, Argentinien, Chile, Thailand, China, Australien, und dem Iran. Jährlich laufen viele Millionen Beutel, Dosen und Snackpackungen über die Bänder der Verarbeitungsanlagen des Betriebs in Siek.

Die Firma orientiert sich am Puls der Zeit. Auch moderne Medien und neue Vertriebskanäle werden erschlossen: Social Media, Facebook, Instagram, XING und Online- Bestellungen sind ebenso Bestandteil des Tagesgeschäfts der Vartan Melik Aslanian GmbH wie der traditionelle Lebensmittelhandel mit nationalen und internationalen Supermarktketten.

Abnehmer sind die großen Einkaufszentralen, Lebensmittelfilialisten und Warenhäuser. Es gilt nach wie vor das Prinzip „just in time“ – der Kunde soll nur frische Ware erhalten. In den Kühlhäusern, die die Firma unterhält, bleibt die Rohware deshalb meist nur kurz liegen. Kundenreklamationen gibt es deshalb kaum. „Kontakte mit dem Ordnungsamt sind uns unbekannt“, sagt der Inhaber und Geschäftsführer Sascha Vartan Melik Aslanian stolz.